Boah – zugegeben, der Titel ist schlecht. Sehr schlecht sogar. Dafür ist das Thema aber gerade der »next hot shit« (wo wir gerade bei Anglizismen sind). Doch der Reihe nach…
Seitdem Google bei mir nach und nach in Ungnade fällt, mache ich mir Gedanken, wie ich mich von der Datenkrake lösen kann. Mit dem Abschalten der FeedBurner APIs konnte ich ja noch ganz gut leben. Was sich die Herrschaften aber dabei gedacht haben, uns den Google Reader zu nehmen, weiß ich immer noch nicht so genau. Ist mir inzwischen aber auch egal, da ich Fever° dank dem Anlegen eines Cronjobs Feuer unter dem Thermometer gemacht hab. Wenn schon Fieber, dann richtig.
So weit, so gut. Hätten wir also den unkritischen Part abgehandelt und auf den eigenen Webspace verlagert. Doch wo wir gerade dabei sind – was ist mit den eher brisanten Daten, die wir auf amerikanischen Servern lagern? Brisant im Sinne von datenschutzrechtlich relevant oder so privat, dass es niemanden etwas angeht.
Privacy vs. Bequemlichkeit
Dass man auf ADN interessante Diskussionen führen kann, sagte ich ja bereits. Nein? Ok, dann hole ich das mal eben nach: man kann auf ADN interessante Diskussionen führen. [Ich frage mich gerade selber, ob ich heute einen Clown gefrühstückt habe.]
So, jetzt zu der Diskussion. Wer sie gestartet hat, ist grundsätzlich erstmal egal, schon allein aus dem Grund, weil ich es nicht mehr genau weiß. Es ging um das Thema »eigene Cloud« – in diesem Fall mit Hilfe von ownCloud, einer OpenSource Software, die man auf seinem NAS oder auch Webspace betreiben kann und als Alternative oder Ergänzung zu DropBox und Co. daher kommt. Als i-Tüpfelchen kann man damit auch Termine und Kontakte syncen. Ihr merkt – so langsam macht der bescheuerte Titel einen Sinn.
Alles, was man selber hostet, macht Arbeit. Arbeit, die aus Installation und Pflege der Software besteht. Allein ownCloud hat in den ersten Tagen des Aprils drei Updates bekommen, wovon zwei derartig Grütze waren, dass die Installation zerschossen wurde. Wer will sowas? Das fragt sich auch Malte in seinem Beitrag, der Zeitaufwand, Kosten und Datensicherheit in die Waagschale schmeißt.
Ok, der Zeitaufwand hält sich bei der Installation einer ownCloud in Grenzen. Das dauert nicht länger, als das Installieren eines WordPress-Blogs. Wer natürlich eher der Tumblr- oder WordPress.com-Typ ist und für Webhosting keinen müden Euro opfern möchte, hat für derartige Experimente eh nur ein Schulterzucken übrig. Das Thema Datensicherheit ist selbstredend ein Argument. ownCloud benötigt beispielsweise ein SSL-Zertifikat und beherrscht in der derzeitigen Version keine serverseitige Verschlüsselung. Wer mit diesen Bergriffen nichts anfangen kann – macht nichts. Aber bitte installiert dann kein ownCloud. Zumindest nicht selber.
Kommen wir aber noch mal auf das Stichwort Privacy bzw. den Datenschutz zurück. So schön einfach DropBox und GMail auch sind – das Zeug (oh, sorry – eure Daten) liegt irgendwo im Amerika auf einem Server und unterliegt folglich der dortigen Gesetzgebung. Jetzt kann man natürlich sagen: Ist mir doch egal, ob das FBI den Zugriff auf die Daten hat oder das BKA. Ja, ist es auch. Ausserdem habe ich ja nichts zu verbergen. Doch – habt ihr. Eure Privatsphäre. Und wenn ihr geschäftliche Daten in der Cloud ablegt, kommt der rechtliche Aspekt hinzu, aber das mal nur so nebenbei.
Wohin sich das alles auch entwickelt – ich für meinen Teil bin sensibilisiert, nehme nach und nach Abschied von Google und hoste meine Dienste, die ich wirklich benötige, in Zukunft auf meinem eigenen Webspace in Deutschland. Auch wenn es ein paar Euro mehr und etwas Arbeit kostet. Es macht Spaß und beruhigt ungemein. Und eines Tages kann der Zuckerberg mich auch noch kreuzweise…
Über den Fortgang des Projekts halte ich euch auf dem Laufenden. Für heute reicht’s erst mal.